Eingewöhnung

"Man kennt nur die Dinge, die man zähmt”, sagte der Fuchs.
“Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!”

 “Was muß ich da tun?” sagte der kleine Prinz.

 “Du mußt sehr geduldig sein”, antwortete der Fuchs.
 “Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Mißverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bißchen näher setzen können …”

 (“Der kleine Prinz”)

 

Die Eingewöhnung ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Betreuung. Sie ist die Basis, ohne die eine Betreuung nicht möglich ist.
Mir ist es wichtig das ihr als Eltern euch bewusst macht, was die Betreuung für euer Kind bedeutet. Es muss sich an eine weitere Bezugsperson gewöhnen, Vertrauen aufbauen und eine Bindung herstellen. Es muss sich mit vier weiteren Kindern auseinander setzen, sich seinen Platz in der Gruppe suchen und es muss sich von euch ein kleines Stückchen abnabeln.
Das geht natürlich am Besten wenn ihr voll dahinter steht, euer Kind unterstützt und gehen lasst, wenn es sich von euch fort bewegt.
Für viele Eltern ist dieser Schritt oft ganz schwer auszuhalten, aber ihr dürft euch ganz sicher sein, so sehr ich meine Minis auch liebe, sie wissen stets wo sie hingehören.

Ich gestalte die Eingewöhnung die ersten drei Tage immer gleich. Für gewöhnlich beginnen wir an einem Montag. Um 9 Uhr kommt ein Elternteil - es sollte während der Zeit wenn möglich nicht gewechselt werden zwischen den Eltern - mit dem Kind zu uns in die Gruppe. Mama oder Papa verhalten sich passiv, sind aber da wenn sie gebraucht werden.
Ich versuche zu dem Kind immer wieder Blickkontakt zu halten, Kontakt aufzunehmen, es anzusprechen oder für ein Spiel zu begeistern. Gleichzeitig versuche ich es kennen zu lernen, seine Mimik zu deuten, seine Gesten wahrzunehmen und seine Bedürfnisse zu verstehen.

Das Kind nimmt, so weit es mag, am Alltag teil, d.h. wir frühstücken zusammen und machen gemeinsam den Morgenkreis, als feste Rituale vom ersten Tag an.

Um 11 Uhr endet der erste Eingewöhnungstag.
Tag zwei und drei laufen genauso ab und danach entscheide ich individuell und aus dem Bauch heraus wie es weiter geht. Natürlich in Absprache mit euch Eltern, denn auch ihr sollt und müsst ein gutes Gefühl haben und nicht selten brauchen Mama oder Papa auch ein kleines bisschen Eingewöhnung ;)

Meistens ist es wie folgt:
Am vierten Tag versuche ich in der Regel eine erste Trennung. Diese findet nach dem Morgenkreis statt und dauert etwa 30 Minuten bis 1,5 Stunden - je nach dem wie das Kind sich bis dahin verhalten hat.
Wichtig ist, das ich euch generell immer erreichen kann und ihr in wenigen Minuten zurück sein könnt!

Wenn alles gut klappt findet der fünfte Tag genauso statt.

Nach dem Wochenende starten wir den sechsten Tag wie Tag vier und fünf. Wenn das Kind positiv auf mich und die Gruppe reagiert, trennen wir uns bereits nach dem Frühstück und ihr kommt zum abholen wieder.

Diese Zeiten entscheide ich immer aus dem Bauch heraus, basierend auf meinem Gefühl und dem aktuellen Kennenlernstand des Kindes. 

Wenn alles gut klappt dehnen wir die Zeiten immer weiter aus, so das ihr das Kind morgens nur noch bringt und nicht mehr bleibt und auch immer später zum abholen kommt. Wichtig ist hierbei, das Kind nicht zu überfordern. Es kann also auch mal sein, das ihr den einen Tag erst um 11.45 Uhr zum abholen gekommen seid und am nächsten Tag, das Kind schon um 10 Uhr nach Hause möchte. Das sind aber Momente die man nicht planen kann, aber meine Erfahrung ist, das Kinder die sich von mir trösten lassen, angekommen sind und mich als Bezugsperson akzeptiert haben.

Es ist für alle Beteiligten eine sehr anstrengende Zeit, daher ist es wichtig diese ausgeschlafen und entspannt anzugehen. Ebenso sollte eine Eingewöhnung nicht unterbrochen werden, sondern konsequent durchlaufen.
Man sollte immer ausreichend Zeit einplanen - zwei bis drei Wochen sind realistisch, wenn alles gut klappt.
Natürlich gibt es keine Garantie für das Gelingen. Es gibt Kinder die etwas länger brauchen, aber auch Kinder die nach einer Woche freudestrahlend herkommen.
Das ist ganz unterschiedlich und u.A. auch vom Alter und Verständnis des Kindes abhängig.

Was mir auch sehr am Herzen liegt ist, das wir miteinander immer offen und ehrlich sprechen. Wenn ihr Sorgen habt, oder euch etwas nicht gefällt - natürlich auch wenn ihr etwas gut findet :)
Nur so kann man Missverständnisse direkt vermeiden oder ggf. schnell beheben.
Auch das wir uns alle an die Ansprachen halten, das ihr pünktlich bringt und holt und ich mich auf euch verlassen kann - genauso wie ihr euch auf mich verlassen dürft.

Mir ist das Vertrauensverhältnis sehr wichtig, immerhin überlasst und vertraut ihr mir tagtäglich euer Wertvollstes an!

Ich hoffe das ihr einen kleinen Einblick in meine Praxis der Eingewöhnung gewinnen konntet - wie gesagt, ich gewöhne nie nach Lehrbuch ein, sondern immer ganz individuell.